Schule gegen Gewalt

Projektwoche 2013

Seit 2013 arbeiten wir an unserer Schule mit vielen unterschiedlichen Aktionen an dem von der Polizei bundesweit für Schulen erprobten Anti-Bullying-Programm zur Gewaltprävention. Wir wollen eine „Schule ohne Gewalt“ sein und machen ganz viel dafür, dass dies in den Köpfen der Schüler, allen Mitarbeitern der Schule und Eltern präsent ist und bleibt. Wir haben gemeinsam Regeln erarbeitet, wie wir ohne körperliche und verbale Gewalt und ohne Beleidigungen miteinander umgehen. Bei Regelverstößen gibt es einen festgelegten Katalog von Konsequenzen, die dem Schweregrad des Vergehens angepasst sind.


Vom 14. bis zum 17. November 2016 fand zum Thema erneut eine Projektwoche statt, an der alle Schüler und Mitarbeiter unserer Schule beteiligt waren. Von Montag bis Mittwoch gab es, jeweils im 2. Unterrichtsblock Angebote in den Bereichen Sport/Kooperative Spiele, Theater/Rollenspiel und Cybermobbing, die alle Schüler, aufgeteilt in 3 Altersgruppen (Primarstufen, Sekundarstufen, Berufspraxisstufen) durchlaufen haben. Außerdem gab es ein spezielles Angebot für die schwerstmehrfachbehinderten Schüler. Dort erlebten sie beim Snoezelen, bei Musik und bei Bewegungs- und Spielangeboten die unterschiedlichen Facetten von Gefühlen wie Zuneigung, Vorlieben und Abneigungen auszudrücken, zu erleben, anzunehmen und abzulehnen.
So konnten die Schüler beim Angebot Sport/Kooperative Spiele erleben wie es sich anfühlt, wenn man sich z.B. in einer Bewegungslandschaft mit unterschiedlichen Stationen auf die Hilfe seiner Mitschüler verlassen muss. Ganz viel Vertrauen braucht man auch, wenn man mit verbundenen Augen auf einem Kettcar sitzt und sich auf die Kommandos seines Partners verlassen soll, um einen Parcours zu durchfahren. Das gleiche gilt erst recht, wenn man mit verbundenen Augen eine Treppe hochgeführt wird.


Beim Angebot Theater/Rollenspiel konnten die Schüler erleben wie man Gefühle seines Gegenübers an dessen Gesichtsausdruck ablesen kann oder wie es sich anfühlt wenn man selber versucht durch Mimik Gefühle wie Wut, Angst, Trauer und Freude auszudrücken. Auch das Nachspielen von Konfliktsituationen, in denen jeder einmal die Rolle von Täter oder Opfer übernimmt, macht nachdenklich und hilft sich in den anderen hineinzuversetzen.
In der Arbeitsgruppe Cybermobbing lernten die Schüler, mit Hilfe von Videoclips, welche Gefahren in den sozialen Netzwerken drohen können, wie schnell man sich strafbar machen kann, wenn man Fotos, Filme oder Textnachrichten mit Beleidigungen oder Drohungen verschickt und wie man sich wehren kann, wenn einem selbst so etwas passiert. Mit den älteren Schülern wurden auch die entsprechenden Paragraphen aus dem Strafgesetzbuch besprochen und auf die möglichen Strafen hingewiesen.


Die Schüler, für die dieses Thema noch nicht relevant war, arbeiteten zeitgleich in einer Gruppe, die sich mit Hilfe von Bilderbüchern („Meins, nein meins“ oder „Irgendwie anders“) mit Freundschaft und Streit befassten.

 

Den Abschluss der Projektwoche bildete am Donnerstag der Besuch der Kriminalkommissarin Frau Jung. Sie erläuterte das Vorgehen der Polizei bei Straftaten von Jugendlichen und erzählte eindrucksvoll den Fall eines Jungen, der über mehrere Monate gemobbt, bedroht und erpresst wurde. Sie zeigte den Schülern Möglichkeiten auf, wie sie sich Hilfe holen können, wenn sie selbst das Opfer sind.

 

Bei allen Beteiligten hat die Projektwoche einen positiven Eindruck hinterlassen. Es hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, an diesem Thema dran zu bleiben, damit es weiterhin im Schulleben verankert ist und wir uns zu Recht „Schule ohne Gewalt“ nennen können.

Unser Verhaltenskatalog - Das ist Gewalt und verboten !!!

Körperliche Gewalt

 

Zielgerichtete Angriffe und Verletzungen wie:

  • Schlagen, Stoßen, Stupsen
  • Treten
  • Würgen
  • Jemanden mit Gegenständen bzw. Waffen verletzen

Gegenstände zerstören

Jemanden in seiner Bewegungsfreiheit einschränken

Gezielt provozierende Angriffe, z. B. anrülpsen, anspucken

 

 

Verbale Gewalt

 

Jede Art von Beleidigung in jeder Sprache.

Subtile Erniedrigungen

 

Bedrohung

 

Alle Bedrohungen, die ernst zu nehmen sind und Folgen haben wie:

  • Verunsicherung,
  • Angst,
  • Verlust materieller Dinge

In jeder Sprache

Verbal und nonverbal

Erpressung

Bedrohung als strafrechtliches Vergehen

Schweigen der Mitwisser

 

Mögliche Konsequenzen für den Täter

 

Entschuldigung,

Wiedergutmachung in Abhängigkeit vom Vergehen z.B.:

  • Pausenverbot, Müll einsammeln, Schulhof fegen, nachsitzen, für das Opfer etwas tun

Schulleiter einschalten, ggf. Schulverbot

Polizei

Schaden wieder gut machen: ersetzen oder reparieren

Thematisieren im Unterricht

 

Streitprotokoll

In Abhängigkeit von Schwere des Angriffs und möglichen Verletzungen, vom Reifegrad des Schülers

Wenn keine pädagogische Intervention mehr möglich, bei straffälligen Handlungen, vorsätzlich und/oder geplant

 

Verwarnung

Ernst gemeinte Entschuldigung beim Opfer

Bei Wiederholung:

  • Sozialer Dienst (Strafarbeit)
  • Pausenverbot

Streitprotokoll in der Klasse

Elterninfo, Elterngespräch

 

Bei jeder Bedrohung wird eingegriffen

Bei Wiederholung:

  • Gespräch,
  • Strafarbeit,
  • Aktennotiz

Information des Klassenlehrers, der entscheidet über Streitprotokoll oder nicht

Pädagogische Intervention (auch Transparenz und Bewusstsein für die Tat schaffen)

Schulleiter informieren

  

Streitprotokoll

Bei Wiederholung ggf. Polizei und Schulverbot

Besuch des Landrates am 08.09.2017

Das neue Schuljahr ist noch keine Woche alt und schon gab es ein erstes Highlight. Heute um 11:30 Uhr versammelten sich alle Schüler, Lehrer und Mitarbeiter der Schule in der Turnhalle um vom Landrat des Kreises Mettmann, Herrn Hendele und Frau Jung von der Kreispolizeibehörde ein Zertifikat entgegenzunehmen.  Durch die Teilnahme am Anti Bullying Programm darf sich  unsere Schule  jetzt offiziell   „Schule gegen Gewalt“ nennen.

In den letzen 4 Jahren haben wir uns intensiv mit dem Thema Gewalt in seinen unterschiedlichen Facetten beschäftigt. Wir haben gemeinsam erarbeitet, wie wir miteinander umgehen wollen, welche Verhaltensweisen nicht geduldet werden und welche Konsequenzen erfolgen, wenn sich jemand nicht an diese Regeln hält. Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema hat sich das Schulklima deutlich verbessert. Regelverstöße kommen nur noch ganz selten vor und jeder weiß was zu tun ist, sollte es doch einmal dazu kommen.

Wir werden weiter gemeinsam daran arbeiten, dass wir uns zu Recht „Schule gegen Gewalt“ bzw. wie unsere Schüler es noch treffender formulierten „Schule ohne Gewalt“ nennen können.

Hildegard Breidenbach